Zur Technik und Kunst der Differentialdiagnose bei klinischen Störungen im Kindes- und Jugendalter
Neuropsychologische und entwicklungspsychopathologische Perspektiven
Sa. 23.01.2027 09.00 bis 16.15 Uhr
14 Einheiten
Den Link zur Online-Veranstaltung finden Sie spätestens einen Tag vor der Veranstaltung im Login-Bereich unter www.neuropsy.at/login direkt bei Ihrer Seminaranmeldung.
Klinische PsychologInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, Fachinteressierte
Ziel
Komorbidität bei klinischen Störungen ist zunehmend die „neue Norm“ bei der Abklärung klinischer Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen. In Kombination mit der Zunahme „digitaler Diagnosen“ (sei es durch Eltern oder durch betroffene Jugendliche selbst) treten zudem weitere Herausforderungen hinzu. Damit stellen sich zwei zentrale Fragen: a) Wie lassen sich echte Störungen von entwicklungs- oder gesellschaftsbedingten Belastungen (z.B. in der Pubertät) abgrenzen? b) Wie können vielschichtige Symptome zuverlässiger einzelnen zugrunde liegenden Störungen zugeordnet werden? Diese Entwicklungen machen eine fundierte Differentialdiagnostik wichtiger denn je.
Im Webinar erfolgt zunächst ein Überblick über wichtige Konzepte von Komorbidität und über die damit verbundenen Konsequenzen für das differentialdiagnostische Vorgehen. Darauf aufbauend werden in Bezug auf häufige komorbide Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter Möglichkeiten vorgestellt, wie auf Basis einer neuropsychologischen und entwicklungspsychopathologischen Perspektive spezifische Symptome und klinische Beobachtungen zu folgende Differenzierungen beitragen können: a) erhöhte Vulnerabilität bzw. Belastung vs. subklinische Symptomatik vs. Störung, b) scheinbare vs. echte bzw. sekundäre Komorbidität. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt zudem auf transdiagnostischen Faktoren. Im Kontext des RDoC-Konzepts tragen sie dazu bei, übergreifende neurobehaviorale Prozesse hinter unterschiedlichen Symptomen besser zu verstehen und diagnostisch einzuordnen.
Inhalte
- Überblick über Konzepte und Modelle von Komorbidität
- Zur Technik und Kunst der Differentialdiagnose
- Transdiagnostische Faktoren im Kontext des RDoC-Konzepts
- Neuropsychologische sowie entwicklungspsychopathologische Aspekte und die Bedeutung spezifischer Symptome bzw. klinischer Beobachtungen für die Differentialdiagnose bei ausgewählten Störungsbildern: Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS/ADS, Störungen des Sozialverhaltens, Angststörungen, Zwangsstörungen, Affektive Störungen, (komplexe) posttraumatische Störung, Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Implikationen für die Diagnostik und für die klinische Beobachtung bzw. Exploration
Literaturempfehlung
First, M.B. (2024). DSM-5-TR handbook of differential diagnosis. Washington: American Psychiatric Association
Heyman, M. et al. (2022). Differential diagnosis of autism spectrum disorder, intellectual disability and attention-deficit hyperactivity disorder (ADHD). Advances in Autism, 8, 89-103
Nordgaard, J. et al. (2023). Psychiatric comorbidity: a concept in need of a theory. Psychological Medicine, 53, 5902-5908
Jansson, L. & Nordgaard, J. (2016). The psychiatric interview for differential diagnosis. Springer Nature
Öngür, D. et al. (in press). The future of DSM: a report from the structure and dimensions subcommitee. The American Journal of Psychiatry
Sarr, R. et al. (2025). Differential diagnosis of autism, attachment disorders, complex posttraumatic stress disorder and emotionally unstable personality disorder: a Delphi study. British Journal of Psychology, 116, 1-33
Seminarleitung
Anrechnung
NEUROPSY Weiterbildungscurricula: Klinische Neuropsychologie und Kinderneuropsychologie
Neuropsychologische Grundlagen (6 EH), Neuropsychologische Diagnostik (4 EH), Neuropsychologische Behandlung (4 EH)
GNP Akkreditierung (wird angesucht)
14 Stunden zu Spezielle NPS: Versorgungsspezifische Kenntnisse
SVNP Anrechnung
14 Credits
