19. NEUROPSY-Online-Event: "Psychologie der Verhaltenssüchte"
2 Einheiten
Den Link zur Online-Veranstaltung finden Sie spätestens einen Tag vor der Veranstaltung im Login-Bereich unter www.neuropsy.at/login direkt bei Ihrer Seminaranmeldung.
Klinische Psycholog:innen, Psycholog:innen, Fachinteressierte
Im 19. NEUROPSY-ONLINE-EVENT wird Prof. Dr. Matthias Brand von der Universität Duisburg-Essen und Direktor des Erwin L. Hahn Institute for Magnetic Resonance Imaging in Essen über die Psychologie der Verhaltenssüchte referieren.
Die Gaming Disorder (Computerspielstörung) wurde unlängst von der WHO als Verhaltenssucht in das internationale Klassifikationssystem von Erkrankungen aufgenommen. Über (Online-) Computerspiele hinausgehend werden auch andere Internetapplikationen suchtartig genutzt, wie beispielsweise soziale Netzwerkseiten, Online-Pornografie und Online-Shoppingseiten. Der Vortrag beleuchtet psychologische und neurobiologische Mechanismen von (onlinebezogenen) Verhaltenssüchten. Dabei werden die aktuellen diagnostischen Kriterien vorgestellt, theoretische Störungsmodelle zusammengefasst und der aktuelle Forschungsstand zu psychologischen und neurobiologischen Prozessen der Verhaltenssüchte skizziert.
Ein aktueller integrativer theoretischer Ansatz ist das I-PACE (Interaction of Person-Affect-Cognition-Execution) Modell zu Verhaltenssüchten (Brand et al., 2019). Das I-PACE Modell erachtet die Interaktionen zwischen affektiven Prozessen, d.h. Cue-Reaktivität und Craving, und kognitiven Mechanismen, d.h. verminderte inhibitorische Kontrolle, ungünstige Entscheidungsfindung sowie implizite kognitive Verzerrungen, als Kernprozesse süchtigen Verhaltens. Empirische Studien belegen deren Relevanz bei spezifischen Verhaltenssüchten wie Computerspielstörung, Kauf-Shoppingstörung, Pornografie-Nutzungsstörung und der problematischen Nutzung sozialer Netzwerke.
Auf Hirnebene sind insbesondere zu Beginn des Suchtprozesses die an der Belohnungsverarbeitung beteiligten Strukturen (z.B. ventrales Striatum) neurale Korrelate von Cue-Reaktivität und Craving. In späteren Phasen sind zusätzlich Strukturen des dorsalen Striatums relevant, die neurale Korrelate des zwanghaft ausgeführten Verhaltens darstellen. Minderungen präfrontal vermittelter Selbstkontrolle werden als Vulnerabilitätsfaktor diskutiert, die sich jedoch auch im Verlauf des Suchtprozesses (weiter) entwickeln können. Impulsivität und Zwanghaftigkeit stellen transdiagnostische Merkmale dar. Abschließend werden Ansätze für Prävention und Therapie diskutiert.
Die Teilnahme ist kostenlos!
Seminarleitung
Anrechnung
NEUROPSY-Weiterbildungscurriculum Klinische Neuropsychologie und Kinderneuropsychologie
Neuropsychologische Grundlagen: 2 EH
NEUROPSY-Weiterbildungscurriculum Gerontopsychologie
Gerontopsychologische Grundlagen: 2 EH
NEUROPSY-Weiterbildungscurriculum Klinisch-psychologischer Gutachter:in
2 EH
