Psychologische Behandlung bei PAIS unter besonderer Berücksichtigung von ME/CFS und Post-COVID-Syndrom
Mi. 10.03.2027 16:30 bis 19:45
8 Einheiten
Den Link zur Online-Veranstaltung finden Sie spätestens einen Tag vor der Veranstaltung im Login-Bereich unter www.neuropsy.at/login direkt bei Ihrer Seminaranmeldung.
Klinische Psycholog:innen, Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Fachinteressierte
Ziele
Der Workshop zielt darauf ab, die Sicherheit im Umgang mit Betroffenen mit postakuten Infektionssyndromen (PAIS) zu erhöhen, insbesondere bei den Krankheitsbildern der Myalgischen Enzephalomyelitis/des Chronic Fatigue Syndroms (ME/CFS) und des Post-COVID-Syndroms (PCS). Die Teilnehmenden erwerben die Kompetenz, den Nutzen und die Grenzen klinisch-psychologischer bzw. psychotherapeutischer Interventionen bei PAIS einzuschätzen. Dabei lernen die Teilnehmenden das Konzept des Pacings kennen, wissen um die Vor- und Nachteile eines kognitiven Trainings und können psychologische Behandlungsansätze umsetzen (z.B. zur Krankheitsbewältigung).
Inhalt
Aufbauend auf die (neuro-)biologischen Grundlagen von PAIS werden mögliche klinisch-psychologische und psychotherapeutische Interventionsansätze vorgestellt – stets mit Blick auf die realistischen Zielsetzungen, Grenzen der Behandlung und die Rolle der (Neuro-)Psychologie im Versorgungssystem. ME/CFS tritt in ca. 80% der Fälle postinfektiös auf und ist durch das Kardinalmerkmal einer Post Exertional Malaise (PEM) charakterisiert, die als eine Zustandsverschlechterung nach Anstrengung definiert ist. Im Vordergrund der Behandlung steht die Vermeidung einer solchen Zustandsverschlechterung durch ein Pacing. Unter Pacing versteht man das Einteilen der eigenen Ressourcen und die Einhaltung der eigenen Belastungsgrenzen. Beim PCS können mehrere Funktionsbereiche Einschränkungen aufweisen und eine PEM kann, muss aber nicht, Teil des Krankheitsbildes sein. Typisch für beide Erkrankungen sind kognitive Dysfunktionen, bei denen nach einer Risiko-Nutzen-Abwägung ein kognitives Training angedacht werden kann.
Das Seminar ist insgesamt praxisorientiert aufgebaut und verbindet aktuelle Forschungsergebnisse mit Fallbeispielen aus der eigenen Praxis. Es gibt Raum für einen kollegialen Austausch, damit im Umgang mit PAIS-Betroffenen mehr Sicherheit gewonnen werden kann. Da die psychologische Versorgungssituation rund um PAIS weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist, bietet dieses Seminar eine klare fachliche Orientierung und unterstützt eine ethisch reflektierte Rollengestaltung im therapeutischen Setting. Je nach Interessenslage der Teilnehmenden werden bestimmte Aspekte der sozialen Versorgungslandschaft näher beleuchtet, deren Fehlen oftmals ein wesentlicher Grund für auftretende psychische Probleme darstellt.
Literaturempfehlung
- Hoffmann, K., Hainzl, A., Stingl, M., Kurz, K., Biesenbach, B., Bammer, C., Behrends, U., Broxtermann, W., Buchmayer, F., Cavini, A. M., Fretz, G. S., Gole, M., Grande, B., Grande, T., Habermann-Horstmeier, L., Hackl, V., Hamacher, J., Hermisson, J., King, M., Kohl, S., Leiss, S., Litzlbauer, D., Renz-Polster, H., Ries, W., Sagelsdorff, J., Scheibenbogen, C., Schieffer, B., Schön, L., Schreiner, C., Thonhofer, K., Strasser, M., Weber, T. & Untersmayr, E. (2024). Interdisziplinäres, kollaboratives D-A-CH Konsensus-Statement zur Diagnostik und Behandlung von Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom. Wiener klinische Wochenschrift, 136 (Suppl. 5), S103-S123.
- Gole, M. (2023). Von Long COVID zu ME/CFS. Der Beitrag der Klinischen Psychologie zur Diagnostik und Behandlung. Psychologie in Österreich, 43, 353-359.
- Grande, T., Grande, B., Gerner, P., Hammer, S., Stingl, M., Vink, M. & Hughes, B. M. (2023). The role of psychotherapy in the care of patients with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. Medicina, 59040719.
- Rabady, S., Altenberger, J., Brose, M., Denk-Linnert, D.-M., Fertl, E., Götzinger, F., de la Cruz Gomez Pellin, M., Hofbaur, B., Hoffmann, K., Hoffmann-Dorninger, R., Koczulla, R., Lammel, O., Lamprecht, B., Löffler-Ragg, J., Müller, C. A., Poggenburg, S., Rittmannsberger, H., Sator, P., Strenger, V., Vonbank, K., Wancata, J., Weber, T., Weber, J., Weiss, G., Wendler, M. & Zwick, R.-H. (2023). Leitlinie S1: long COVID: Differenzialdiagnostik und Behandlungsstrategien Wiener klinische Wochenschrift, 133 (Suppl. 7), S237-S278.
Seminarleitung
Anrechnung
NEUROPSY Weiterbildungscurriculum Klinische Neuropsychologie: Behandlung (8 EH)
NEUROPSY Weiterbildungscurriculum Klinisch-Psychologische Behandlung von Erwachsenen: 8 EH
GNP Akkreditierung (wird angesucht)
8 Stunden zu Allgemeine NPS
SVNP Anrechnung
8 Credits
Psychotherapeutenkammer Bayern (wird angesucht)
8 Punkte
